Ein Geburtstagsständchen für den Kini

König-Ludwig-Verein Rohrmünz trotzt dem Regen und feiert auf dem Natternberg

Von Katrin Schreiber
Deggendorf. Von ein bisschen Regen lässt sich ein bayerischer König natürlich nicht abhalten. Schon gar nicht an seinem 168. Geburtstag. Wie alle Jahre ist Ludwig II. gestern auf dem Natternberg erschienen und hat nachgefragt, ob denn Bayern immer noch mit Preußen zusammengehört. Die bedauerliche Antwort bekam er von Staatssekretär Bernd Sibler und vom König-Ludwig-Verein Rohrmünz, der seine Majestät – organisiert von Manfred Eiberweiser – in Empfang genommen hat. Und der sogar noch ein Ständchen für seinen 1845 geborenen Kini schmetterte.

Rund um den Natternberg und seine Burgruine, Eigentum von Graf Ulrich von Arco-Zinneberg, ranken sich etliche Sagen. Eine davon hat zum Inhalt, dass der tote König Ludwig sich in dem Berg eingerichtet hat und dort auf seine Zeit wartet. Jedes Jahr an seinem Geburtstag – dem 25. August – kommt er demnach, einen langen weißen Bart tragend, heraus und fragt den erstbesten Passanten, wie es denn um Bayern und Preußen steht.

Auf den Bart hat Stadtrat Paul Linsmaier verzichtet, der gestern wieder in das königliche Gewand geschlüpft war. Umso besser auf dessen Frage vorbereitet war dafür „Passant“ Bernd Sibler, der ihm und den Zuhörern einen kurzen Vortrag darüber hielt, was sich seit Ludwigs Tod im 1806 gegründeten Königreich Bayern so abgespielt hat. Von der heiligen Allianz mit Bismarck und dem gemeinsamen Kampf der Habsburger und Preußen gegen die Dänen über den Zusammenhalt mit den Österreichern unter Kaiserin Sisi bis hin zur neuen Technik, der Eisenbahn, mit der die Preußen Ende des 19. Jahrhunderts die Nase vorn hatten. Schließlich habe der Erbfeind Frankreich unter Napoleon die europäische Karte neu gezeichnet. Aber, so die gute Nachricht des Staatssekretärs für den König: „Die Bayern haben sich einige Sonderrechte erhalten.“ Und heutzutage kommen sogar viele Amerikaner und noch mehr Japaner nach Oberbayern, um die schönen Bauwerke aus der Zeit Ludwigs II. zu sehen.

Der kleine Vortrag kam nicht nur bei seiner Majestät gut an, sondern auch bei Graf Ulrich, zweitem Bürgermeister Peter Volkmer, Bürgermeister a.D. Walter Weinbeck sowie bei Vereinsvorsitzendem Josef Knogl und den befreundeten Königstreuen aus Böbrach und Bodenmais. Nachdem sich alle ehrfurchtsvoll vor seiner Majestät verneigt hatten, ein Geburtstagsständchen und vier Strophen des Bayernliedes gesungen hatten, machte sich die feiernde Gesellschaft samt König auf zum Weißwurstessen in der Stadt. Ludwig II. versprach angesichts dieser Gastfreundschaft, auch im kommenden Jahr wieder zu erscheinen – vielleicht sogar auf der anderen Donauseite: Er möchte dann die Landesgartenschau besuchen.