Königstreue feiern zwei „Geburtstage“

Verein besteht seit zehn Jahren – Jubiläum am 174. Ehrentag von Ludwig II.

Von Josefine Eichwald
Grafling. „Ohne di, Sepp, gäbe es diesen Verein nicht“, würdigte Schriftführer Matthias Geiss den Vorstand der Weiß/Blau Königstreuen Rohrmünz, Josef Knogl, zum zehnten Geburtstag des Vereins. Knogl bekam, wie elf weitere Gründungsmitglieder, eine in Gold blitzende Medaille mit dem Konterfei von Ludwig II. überreicht.

Dass ausgerechnet auf einer Hütte dem König-Ludwig-Verein Bayerwald 2009 die Geburtsstunde geschlagen hatte, könnte dem Monarchen, der die Berge liebte und selbst zwölf solcher Bergresidenzen zwischen Isar und Lech für sich hatte errichten lassen, gefallen haben, möglicherweise weniger, dass es sich bei der Knoglschen Hütte um eine Jagdhütte handelt. Denn Ludwig II. verabscheute – im Gegensatz zu seinen Vorfahren – die Jägerei. Was für ein ausgeklügelter Zufall, dass die groß aufgezogene Zehn-Jahres-Feier noch dazu am 25. August stattfinden konnte, dem 174. Geburtstag des Monarchen. Hunderte Königstreue strömten am Sonntag zum Festzug und ins Festzelt nach Rohrmünz.

„Der Himmel weiß-blau, a boarische Musik, a Schweinsbraten, so stell i mir die Ewigkeit vor“, kommentierte Knogl das Jubiläum, das mit Bieranstich und einem von mehr als 400 Fans besuchten Konzert der „Zellberg-Buam“ am Samstag begonnen hatte. Er wiederum lobte Schriftführer Geiss, der sich für das Gelingen der Veranstaltung so eingesetzt habe. Ein Fest in diesem Ausmaß könne man nur ausrichten, „wenn man eine Mannschaft hat, die 100 Prozent hinter einem steht“, freute sich Knogl.

13 Deggendorfer Böllerschützen hatten es Sonntagvormittag kräftig krachen lassen, bevor Zugführer Max Rosenlehner das Kommando „Mit Musik im Gleichschritt“ gab und der zirka 300 Personen umfassende Zug zur Kapelle startete, die „Brandlberger Buam“ vorneweg, gefolgt von Freiherr Ferdinand von Aretin von der Brauerei Aldersbach, der Weißbierkönigin Juliane Willhelm, den Bürgermeistern Willi Zißlsberger, Anton Stettmer und Markus Haftner, Gemeinderäten, dem Jubelverein mit Taferbua Maximilian Hain. „Der Papa tut Bier ausschenken“, sagte der Achtjährige, der die Aufgabe zum zweiten Mal übernommen hat und vom Königsschloss Herrenchiemsee weiß, „dass die gar ned fertig word’n san“.

Weiter dabei waren der Patenverein Weiß/Blau Gammelsdorf, Weiß/Blau Königstreu Bodenmais, der König-Ludwig-Verein Böbrach, die Königstreuen Patrioten aus Hölskofen (Gemeinde Bayerbach), die Feuerwehr Grafling, der Burschenverein Ulrichsberg, der EV Grafling, die Feuerwehren Alberting, Bergern und Hirschberg, der Heimat- und Volkstrachtenverein, der Krieger- und Reservistenverein, die Schützen von Euphrasia Arzting und Diana Grafling, der Tennisclub und der TSV Grafling sowie der EC Datting.

Pfarrer James Arockiasamy Adaikkalam, für den es „vermutlich der letzte Sonntagsgottesdienst in Grafling war“, weil er gen Regensburg wechselt, kam bei der Messe auf die Bedeutung des Vereins zur Pflege des bayerischen Brauchtums, der Historie und der Erforschung der Bedeutung Bayerns zu sprechen. „Die Kollekte ist für ein Projekt in Indien bestimmt“, wünschte König-Ludwig-Vorstand Knogl namens der Königstreuen dem Pfarrer „viel Glück auf allen Wegen“; der indische Geistliche werde wegen seiner liebevollen und ruhigen Art in Erinnerung bleiben.

Das „besonders schöne Jubiläum“ ist auch für Rathauschef Willi Zißlsberger in seiner Amtszeit das letzte. Er, selbst Gründungsmitglied, gratulierte im Namen der Gemeinde mit dem Gedanken, dass angesichts der Globalisierung die Rückbesinnung auf die eigene Herkunft immer wichtiger werde.

Er sei wie die „Jungfrau zum Kind“ zum Grußwort gekommen, sagte Eugen Gegenfurtner. Er sei privat hier, da seine bessere Hälfte Rosi aus dem Graflinger Tal stamme, so der stellvertretende Landrat. Ferdinand Freiherr von Aretin lobte, dass es Leute gibt, die sich hinter Traditionen stellen. Mathias Bauer vom Patenverein Gammelsdorf überbrachte die Grüße von Stefan Jetz vom Landesverband. Als Gastgeschenk überreichten er und sein Vize Georg Kellner an Knogl ein Bild vom Kini mit allen seinen Schlössern und eine Hinterglasmalerei.

Seit Montag ist das Fest der Monarchie wieder Geschichte, ein 20-köpfiger Trupp des Vereins baute das 700-Mann-Zelt in Rohrmünz ab.