König-Ludwig-Verein Rohrmünz stiehlt in einer Nacht gleich zwei weiß-blaue Stämme – Und stößt auf unterschiedliche Reaktionen.

Grafling/Ruhmannsfelden. „Treu der Sitt, treu der Tracht, treu der Heimat, treu dem guten alten Brauch“ – nach diesem Motto vieler Heimatvereine haben die Burschen von Weiß/Blau Königstreu Bayerwald Rohrmünz einen doppelten Maibaum-Diebstahl begangen – und sich sowohl Freibier wie auch Ärger eingehandelt. „Wir haben wieder einmal Wort gehalten und wie jedes Jahr seit der Gründung 2009 mindestens einen Maibaum gestohlen.“ Mit dieser Mitteilung an die Redaktion haben die Rohrmünzer gestern den Diebstahl des Ruhmannsfeldener Maibaums bekannt gegeben. Da es von Jahr zu Jahr immer schwieriger sei, im Raum Grafling-Deggendorf einen geeigneten Baum zu finden, habe man sich heuer über die Landkreisgrenzen gewagt, und zwar nach Ruhmannsfelden und Gotteszell.
Gegen 24 Uhr begaben sich 14 Burschen auf den Weg von Rohrmünz nach Dietzberg, wo der Maibaum von Ruhmannsfelden eingelagert war. Der Baum war bei einem Bauernhof auf Holzböcken gelagert und nicht weiter bewacht. Dann habe sich jeder einen Partner sowie eine eigens gefertigte Tragestange gesucht und sei „in Richtung weiß-blaues Stangerl“ geschlichen. Auf Kommando sei der Baum angehoben und Richtung Hauptstraße getragen worden, wo zeitgerecht ein Bulldog angefahren kam.
Sofort wurde der Baum auf dem Nachläufer verspannt und abtransportiert. Während der Baum unterwegs Richtung Grafling war, habe sich die Hälfte der Rohrmünzer auf den Weg zum nächsten Baum nach Gießhübl bei Gotteszell gemacht. Der Baum war in einer Scheune des dortigen Wirtshauses gelagert. Die Hallentür sei durch einen Lader gesichert gewesen. Wie jedes Jahr hätten sie verschiedenste Schlüssel dabeigehabt, die auf alle Baumaschinen passen. Der Lader sei geöffnet, die Handbremse gelöst und das Fahrzeug vom Hallentor weggeschoben worden. Somit konnte der König-Ludwig-Verein zwei Bäume in einer einzigen Nacht erbeuten und dadurch sein Versprechen halten, jedes Jahr einen Baum zu stehlen. „Wir sind ein Brauchtumsverein und setzen uns dafür ein, dass diese Tradition hochgehalten wird“, teilten die Rohrmünzer mit.
Die Ruhmannsfeldener Trachtler sind sauer
Die Auslöseverhandlungen hätten sich unterschiedlich gestaltet. Die Gießhübler seien sehr zuvorkommend gewesen und hätten den Diebstahl mit Humor genommen. „Eine heiße Auslöse sehen diese als selbstverständlich an und belohnen unsere Arbeit mit 50 Litern Bier und einer gescheiten Brotzeit.“ Der Baum werde zurückgebracht und anschließend gemeinsam gefeiert. Der Ruhmannsfeldener Heimat- und Volkstrachtenverein sehe den Brauch des Maibaumstehlens allerdings als nicht mehr zeitgemäß oder überflüssig an. Eine Auslöseverhandlung habe es leider nicht gegeben. Stattdessen sei bereits das Wort „Anzeige“ gefallen. „Entweder ihr bringt den Baum sofort wieder zurück, ohne eine Auslöse, oder wir zeigen euch an.“
Laut den Königstreuen habe der Vorsitzende der Ruhmannsfeldener Trachtler erklärt, bei ihnen dürfe der Baum nur in der Nacht zum 1. Mai gestohlen werden. Der König-Ludwig-Verein könne diese Reaktion nicht nachvollziehen. „Unserer Ansicht nach sollte es gerade für einen Heimat- und Volkstrachtenverein beschämend sein, wegen dem bisschen Bier einen derartigen Aufstand zu machen und bayerisches Brauchtum mit den Füßen zu treten.“ Die Rohrmünzer erklären weiter, Brauchtumsvereine sollten gemeinsam dafür einstehen, Traditionen zu erhalten, statt sie mit gerichtlichen Schritten aussterben zu lassen. Die Rohrmünzer haben den Maibaum schließlich in Begleitung der Albertinger Feuerwehr zurückgebracht.
Auf der anderen Seite des Artikels wird berichtet, dass die Verantwortlichen in Ruhmannsfelden den Ablauf als unglücklich bezeichneten. Im Beisein von Vorstand Andreas Tax und Bürgermeister Werner Troiber sei die Angelegenheit besprochen worden. Man habe zunächst über eine Auslöse nachgedacht, diese letztlich aber verworfen, weil der Diebstahl nach ihrer Auffassung nicht traditionsgemäß erfolgt sei. Beim Maibaumaufstellen habe deshalb eine gedrückte Stimmung geherrscht. Viele Besucher hätten kein Verständnis für die Reaktion des Trachtenvereins gezeigt.
Ganz anders verlief es in Gießhübl (Gemeinde Gotteszell): Dort einigte man sich schnell mit den Maibaumdieben. 50 Liter Bier und eine Brotzeit waren die Auslöse. Der Baum wurde pünktlich zum Maibaumaufstellen zurückgebracht und gemeinsam wieder aufgestellt.
