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Niederkandelbach/Rohrmünz. Die Sache ist schon ein Jahr her, aber sie wirbelt immer noch gehörig Staub auf. Zwei Vereine, Weiß-Blau-Königstreu aus Rohrmünz und die Dorfgemeinschaft Niederkandelbach, Oberkandelbach und Bruckhof, sind sich gehörig in die Haare geraten über die Frage: Maibaum oder Brennholz? Die Niederkandelbacher wollen den Vorwurf aus Rohrmünz nicht auf sich sitzen lassen, sie hätten keine Auslöse für einen gestohlenen Maibaum bezahlt.
Nach Gesprächen der DZ mit Vertretern beider Vereine scheint die Vorgeschichte einigermaßen unstrittig zu sein: Die Niederkandelbacher verwenden ihren Maibaum drei Jahre lang, dann wird er als Brennholz verkauft oder versteigert. Bei dem umstrittenen Stamm war das bei einem Fest am Vatertag vor zwei Jahren der Fall. Ein Mitglied der Dorfgemeinschaft erwarb das Brennholz, das freilich noch fast ein Jahr als Maibaum stehen blieb. Im April 2010 wurde der Maibaum umgelegt und auf einer Wiese in der Nähe des Anwesens des Käufers aufgebockt. Von dort wurde der weiß-blau gestrichene Baumstamm von den Königstreuen aus Rohrmünz gestohlen. Und dann gehen die Schilderungen weit auseinander. Los geht es schon beim Zeitpunkt des Diebstahls.
Rudolf Hoffmann, der Vorstand der Dorfgemeinschaft, ist sich sicher: Es war eine Woche vor dem 1. Mai. Schon allein deshalb sei die Aktion der Rohrmünzer ein Verstoß gegen die Gepflogenheiten, denn so früh werde eigentlich kein Maibaum gestohlen. Josef Knogl von den Königstreuen sagt dagegen: „Eine Woche vorher war es auf keinen Fall. Es waren vielleicht vier Tage vor dem Aufstellen.“ Gravierender ist aber die Frage, was nach dem Diebstahl geschah. Hoffmann berichtet, er habe einem Anrufer aus Rohrmünz gleich gesagt: „Ich würde es an eurer Stelle auch nicht glauben, aber ihr habt den alten Maibaum gestohlen, der schon als Brennholz verkauft ist.“ Und: „Weil es aber eine lustige Sache war, habe ich auch gesagt: An einem Umtrunk soll es nicht scheitern, wenn ihr das Brennholz zurückbringt.“ Die Diebe hätten sich jedoch auch nach mehreren Gesprächen nicht darauf eingelassen.
Josef Knogl von „Weiß-Blau-Königstreu“ berichtet dagegen, Hoffmann habe in dem ersten Telefongespräch zugegeben, dass der Baum noch einmal hätte aufgestellt werden sollen. Er sei umgelegt und aufgebockt worden, damit ihn ein Schreiner begutachten kann, ob er ein weiteres Jahr durchhält. Hoffmann habe in dem Gespräch aber auch deutlich gemacht, dass der Verein keine Auslöse für den Baum zahlen wolle, weil er schon verkauft sei. Die Diebe sollten sich doch an den Besitzer wenden. Der habe freilich nicht eingesehen, dass er Brennholz auslösen solle. Nach einigem Hin und Her habe der Besitzer schließlich gesagt: Wenn ihr den Stamm zurückbringt, stelle ich euch einen Kasten Bier vor die Tür. Ein gemeinsamer Umtrunk sei aber ganz sicher nie angeboten worden. Fest steht, dass der gestohlene Baum nicht wieder zurück nach Niederkandelbach kam.
Aufgestellt wurde am 1. Mai ein neuer Baum, der laut Dorfgemeinschaft zum Zeitpunkt des Diebstahls schon im Wald lag. Die Rohrmünzer unterstellen den Niederkandelbachern dagegen, dass sie den neuen Baum gefällt haben, um keine Auslöse zahlen zu müssen. Und das sei ein Verstoß gegen das Brauchtum, den man nicht durchgehen lassen dürfe. Rainer Riesinger, der Käufer des alten Maibaums, war alles andere als begeistert darüber, dass seine rund zwei Ster Brennholz weg waren. Er habe mehrfach versucht, mit den Rohrmünzern zu reden, und schließlich habe er dem Vorsitzenden der Königstreuen einen Brief per Einschreiben geschickt. Als auch darauf keine Reaktion erfolgt sei, habe er schließlich Anzeige erstattet. Die Polizei ermittelte, die Rohrmünzer Maibaum-Diebe wurden vernommen.
Im Februar schließlich stellte die Staatsanwaltschaft Deggendorf das Verfahren ein – weil kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung bestehe. Der Schaden sei gering. Außerdem sei klar, dass die Rohrmünzer kein Brennholz stehlen wollten. Ihnen sei es allein um Brauchtumspflege gegangen, heißt es in der Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Riesinger sagt, er hätte die Sache auf sich beruhen lassen, wenn es nicht im DZ-Bericht über den diesjährigen Maibaum-Diebstahl der Rohrmünzer in Mietraching geheißen hätte: In Niederkandelbach habe es voriges Jahr statt einer Auslöse eine Anzeige gegeben. Diese Unterstellung könne er im Interesse des Vereins nicht so stehen lassen. Deshalb müsse die Geschichte einmal richtig erzählt werden, findet er.
Zugleich wollen die Niederkandelbacher die Hand ausstrecken: Das Angebot, wenn das Brennholz zurückgebracht werde, gebe es einen Umtrunk, sei nie zurückgenommen worden und gelte auch jetzt noch. Die Königstreuen haben noch nicht darüber beraten, ob sie mit über einem Jahr Verspätung nun doch noch darauf eingehen sollen. Den gestohlenen Baum können sie aber sicher nicht mehr zurückbringen – der ist längst an ein Sägewerk verkauft.Die Ruhmannsfeldener Trachtler sind sauer
